Thursday, September 9, 2010

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Amoklauf Winnenden: Kritische Medienbeobachtung

Gepostet von Rene am 12. März 2009

In Anbetracht der Tatsache, dass nun viele Medien alles daran setzen, auf möglichst aufgebauschte und Leser- und/oder Quoten-steigende Weise, Sensationsberichterstattung zu verbreiten und dabei keineswegs vor Falschinformationen halt machen, möchte ich mir hier die Mühe machen und die aktuellen Medien auf kritische Weise zu beobachten, mit dem Ziel, die Wahrheit herauszufinden. Während also diverse Onlineportale großer Zeitungen und TV-Sender inzwischen wieder einmal ihre Hetzkampagne gegen böse “Killerspiele” gestartet haben, möchte ich doch mal ganz von vorn anfangen und dabei insbesondere Widersprüche aufklären.

Dazu nehmen wir zunächst einmal einen Artikel auf Spiegel Online, welcher bereits in der Überschrift besagt:

Polizei erschießt Amokläufer Tim K.

Wer hier nicht gleich skeptisch wird, hat wohl nicht genügend aufgepasst, in den heutigen Nachrichten, wurde doch zuletzt beim SWR noch behauptet:

Nach einem Schusswechsel mit der Polizei, bei dem der 17-Jährige ins Bein getroffen wurde, erschoss er sich selbst.

Klingt widersprüchlich? Ist es auch. Angeblich habe die Polizei ihre Angaben korrigiert. Was ich aber viel mehr glaube: Die Behörde hat über ihre Aussage nachgedacht und befürchtet, sie könnte schlecht dastehen, wenn einer ihrer Mitarbeiter ein Kind getötet hat. Und da es wohl keine Zeugen gab, dreht man nun die Aussage um und stellt es so dar, als hätte er sich selbst getötet. Reine Verschleierungstaktik also vermutlicherweise. Aber ich werde hierzu weiter recherchieren.

Ähnliches bei der Anzahl der Opfer. Zunächst hieß es, es habe 17 Opfer gegeben. Später korrigierte die Polizei auch dies und reduzierte die Anzahl der Opfer auf 15. Angeblich seie ein Übermittlungsfehler die Schuld an der Falschaussage. Ob die Polizei hier wohl schlampig arbeitet?

Nun kommen wir zur Kleidung. So wurde beispielsweise gestern auf der Webseite der tagesschau und auch aktuell auf heise.de noch behauptet, der Junge seie in einem Kampfanzug in die Schule gekommen. Bei der taz dagegen ist die Rede von einem schwarzen Mantel und einer schwarzen Tasche.

Klar, dass das noch nicht alles ist, geht das gleiche Spiel bei der Anzahl der Waffen weiter. So behauptet die Winnender Zeitung, die Eltern hätten bei sich zu Hause ganze 18 Waffen gelagert. Dem Spiegel zufolge waren es allerdings gerade mal 15 Waffen. Wer hat also nun Recht?

Ganz zu schweigen von den Hintergründen, über die ich mich, mit einem Artikel äußern möchte, den ich bereits im Forum von Filmempfehlung.com geäußert habe:

Mal ganz ehrlich, ihr fragt euch, warum es diese Amokläufe gibt? Das ist ganz einfach: Weil unsere Gesellschaft krank ist bzw. unsere Jugendlichen krank macht! Während die einen in der Psychiatrie sitzen und Suizigefährdet sind, lassen die anderen eben so ihrem Frust freien Lauf. Viel schlimmer, als die Tat selbst, finde ich hierbei aber die Umstände, die ihn dazu getrieben haben. Und unsere Politiker sind zu dumm, etwas daran zu ändern. Zu dumm, das Leben für uns Menschen besser zu machen.

Aber wie gesagt, das Problem ist unsere Gesellschaft. Sie verlangt letztlich auf der einen Seite zu viel von uns und auf der anderen Seite, gibt es zu viel negatives, was uns in den Wahnsinn treibt. Seien wir mal ehrlich…. Man verlangt, dass wir 10 Jahre in die Schule gehen, dass wir 8 Stunden am Tag arbeiten, dass wir uns “angemessen” Verhalten, und und und… aber schonmal jemand daran gedacht, was passiert, wenn man diesen Normen nicht gerecht werden kann, aus Gründen der Persönlichkeit, aus Krankheitsgründen oder aus psychischen Gründen? Was passiert wohl mit Leuten, die den Ansprüchen unserere Gesellschaft nicht gerecht werden können, aber niemand erkennt dies an, geschweigedenn akzeptiert es? Oder was ist wohl erst mit Leuten, die unsere Gesellschaft ablehnen, die nicht in ihr Leben wollen? Und wie ja bereits bekannt ist: Tim K. war introvertiert, er konnte sich nicht integrieren – de facto, war er für diese Gesellschaft wenig geeignet und kam in dieser auch nicht zurecht.

Dann der Punkt, Einzelgänger zu integrieren: Genau das ist u.U. sogar der falsche Weg. Jemand der Einzelgänger ist, ist dies wegen seiner Persönlichkeit. Versucht man ihn (zwanghaft) zu integrieren, löst das in dieser Person einen enormen Druck und Unwohlsein aus. Ein Einzelgänger fühlt sich in Gesellschaft meist nicht dauerhaft wohl, es sei denn, es handelt sich um eine Person, die ihm besonders nahe steht (Freundin bspw.). Gleichzeitig ist es für ihn umso schwerer, wenn er diese Person verliert (er hat ja sonst niemanden). Letztendlich muss man es akzeptieren, dass jemand Einzelgänger ist – den Kontakt zwar aufrecht erhalten, möglichst auch als einzelne Person versuchen, engeren Kontakt aufzubauen, aber keinesfalls versuchen, ihn in eine große Gruppe zu integrieren, denn das geht nach hinten los, schließlich ist er wie gesagt ja nicht ohne Grund Einzelgänger. Ausnahmen sind natürlich Leute, die nicht wegen der Persönlichkeit, Einzelgänger sind, sondern auf Grund der Ausgrenzung anderer.

Ich hab jedenfalls Verständnis für den Täter und hinterfrage lieber erstmal die Ursachen, ehe ich ihn als das “böse Monster” hinstelle. Vielleicht liegts daran, dass meine Kindheit auch nicht gerade die angenehmste war und ich zu Schulzeiten auch recht lange Einzelgänger war.

Wie dem auch sei, macht es sich die Politik wieder einmal zu einfach, in dem sie die Schuld auf Killerspiele schiebt. Die Gründe für einen Amoklauf liegen immer in gesellschaftlichen, sozialen, persönlichen/privaten, oder psychischen Problemen. In vielen Fällen sogar alles zusammen. Doch welcher Politiker will schon zugeben, dass er unfähig ist, die Probleme unserer Gesellschaft zu lösen?

Zu guter letzt möchte ich klarstellen, dass es sich lediglich um meine persönliche Meinung handelt und ich hiermit sowohl Informationen weitergeben möchte, die in den üblichen Medien untergehen, als auch meine Leser dazu bewegen möchte, die Geschehnisse einmal aus kritischer Sicht zu betrachten und die sozialen und gesellschaftlichen Hintergründe zu hinterfragen.

Update 1: Wie ich nun gerade herausgefunden habe, hat Tim K. seine Tat bereits 1 Jahr zuvor auf seine MySpace-Seite angekündigt. Diese Seite wurde allerdings inzwischen gelöscht und ist nicht mehr erreichbar. Mal schaun’ ob ein Backup zu finden ist.

Update 2: So schnell geht das. Die gecachte Version der MySpace-Seite


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2 Responses

  1. Stormcloud Said,

    Du hast vergessen, dass der “Nachbarort”, in dem der Täter sein Leben ließ, immer unterschiedlich weit entfernt war. Die Zahlen bewegten sich im Bereich 20 – 40km. Das ist wirklich schlampig, dafür braucht man auch keine Polizeiaussagen falsch verstehen.

    Apropos Politiker: Ich finde, der baden-würrtembergische Innenminister hat das gestern klar herausgestellt. “Für das Reden über Konsequenzen ist es noch zu früh, da die emotionale Betroffenheit nur zu unüberlegten Kurzschlusshandlungen führen kann” und “Eine 100%ige Sicherheit wird es nie geben”. Hätten ihm da lieber mal nicht nur das Volk sondern auch die Kollegen zugehört…

    Posted on März 12th, 2009 at 15:29

  2. Rene Said,

    Also mir ist das ein Rätsel, warum Politiker von “emotionaler Betroffenheit” reden. Klar, die wollen natürlich so wirken, als hätten sie Mitgefühl, man verlangt das schließlich von einem Politiker. Aber welcher Außenstehende ist denn da nun wirklich emotional betroffen? Also ich bin ganz ehrlich: Ich nicht. Mir fielen nur die Widersprüche mal wieder auf den ersten Blick auf.

    Posted on März 12th, 2009 at 15:51

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